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DER TRICHTER

Der vierte und fünfte Teil des Bilder-Romans "Der Mann mit der roten Jacke" muss sich in Leipzig Mitte der 1990er Jahre ereignet haben.


Die ersten Zeichnungen dazu entstanden parallel mit der Fertigstellung von Teil drei im September 2021.

   Leipzig nach der Wende, Mitte der 90er. Der Sozialismus war untergegangen. In den Jahrzehnten zuvor hatten vor Allem junge Bewohner die Stadt verlassen und waren in den Westen geflohen. Hoffnungslosigkeit an allen Ecken. Die Verlierer dieser politischen Umwälzungen versammeln sich an den Stehtischen der verlotterten Lokale, stürzen billiges Bier in sich hinein und Rauchen Karo oder F6. Aber, der Wohnungsmarkt wird privatisiert und die Kräne der Bauunternehmer beginnen sich unmerklich schneller zu drehen. Das Flutlicht der unzähligen Baustellen erhellt die Nacht. Die maroden Mauern werden neu verputzt, das schweflige Gelbbraun weicht einem harten Alpinaweiß. Langsam verschwinden die Ladas, Skodas und der Trabant aus dem Straßenbild. Es wird dauern, jedoch die Plakatwerbung verkündet es bereits: LEIPZIG KOMMT.

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   Der Mann mit der roten Jacke hatte beschlossen hier in Leipzig in der Anonymität einer Großstadt abzutauchen. Die Messestadt Leipzig ist im Umbruch, dort angekommen ist es jedoch schwierig an eine günstige und bewohnbare Unterkunft zu kommen. Die Eigentumsverhältnisse sind nach den Enteignungen während dem Nationalsozialismus und dem DDR-Regime nicht immer geklärt. Im Milieu der Südstadt unter Hausbesetzern, Hobbyphilosophen, Linksautonomen, Skins, Messehostessen, Systemverweigerern und Wendehälsen taucht er ab. Allerdings Vorsicht: in einer Seitengase kann man schnell an ein par üble Typen geraten. Ein rechtsfreier Bereich hatte sich aufgetan. Jeder war sich selbst der nächste.

   Die Wolkenmaschine im Südosten der Stadt arbeitet Tag und Nacht. Der von den Nächten verwaschene schwefelgelbe Morgen wird von einem dunstigem Abendglühen abgelöst. Graue Fassaden mit leeren Augen starren einen an. Der Braunkohlestaub hängt in allen Fugen.

   Als endlich eine Bleibe gefunden ist bricht der Winter über die Stadt und hüllt alles in eine weiße Winterlandschaft. Eine erste Kohlelieferung bringt etwas Wärme in die klamme Bude. Am nächsten Morgen jedoch ist der Keller aufgebrochen und die Kohle weggeschafft. Die Temperaturen fallen für Wochen unter Null und die Außentoilette friert komplett ein. Nach einem langen Winterspaziergang kommt er spät Nachts zurück, auf der Schwelle zu seiner Wohnung hat man ein Paket abgestellt, ohne es zu öffnen glaubt er den Inhalt zu kennen.

 

Januar 2023, C.P.

 

Links.

Ein Cafe im Süden der Stadt. Kapitel 01

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In einem abgetragenem Mantel der Sovjets läut der Mann mit der roten Jacke durch ein winterliches Leipzig und landet in einem Cafe.

Unten: Straßenszenen aus Kapitel 03 "der Bruch":

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